Presse an einer Bearbeitungslinie mit Paletten fertiger Teile daneben, die den zwischen den Fertigungslosen aufgebauten Bestand zeigen.

Was die wirtschaftliche Losgröße in der Produktion ist

Die wirtschaftliche Losgröße der Produktion (englisch EPQ, auch Andler-Formel mit endlicher Produktionsgeschwindigkeit) ist die Menge pro Fertigungsauftrag, die die Summe aus Rüstkosten und Lagerkosten minimiert. Anders als die Bestellmenge im Einkauf geht sie davon aus, dass der Artikel im eigenen Werk gefertigt wird und nur allmählich ins Lager gelangt, während der Bedarf ihn bereits verbraucht.

Die Grundlage legte F. W. Harris (1913); E. W. Taft (1918) übertrug sie auf die Fertigung. Wäre die Produktionsrate unendlich, ergäbe sich die klassische Bestellmenge, wie sie in der Bestandsführung mit Bestellpunkt und optimaler Bestellmenge behandelt wird.

Visuelle Karte der wirtschaftlichen Losgröße

Die Karte fasst Formel, Lagerverlauf (Sägezahn) und das Rechenbeispiel mit minimalen Gesamtkosten zusammen.

WIRTSCHAFTLICHE LOSGRÖSSE PRODUKTION
Visuelle Karte 174: Wirtschaftliche Losgröße Produktion: Formel und Beispiel. Klicken Sie auf die Karte für die Originalgröße.Karte als PNG herunterladen

Formel der wirtschaftlichen Losgröße

q* = √[ 2 × D × S ÷ ( H × (1 − d ÷ p) ) ]

Der Faktor (1 − d ÷ p) senkt den durchschnittlichen Bestand: Während der Fertigung wächst das Lager nur mit der Rate (p − d), der Höchstbestand liegt also unter der Losgröße. Höchstbestand: Imax = q × (1 − d ÷ p). Durchschnittsbestand: Imax ÷ 2.

Jährliche Gesamtkosten = (D ÷ q) × S + (Imax ÷ 2) × H

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Rechenbeispiel

Fiktives Beispiel: Ein Drehteil hat einen Jahresbedarf von 24.000 Stück bei 240 Arbeitstagen. Die Maschine fertigt 400 Teile pro Tag. Jeder Rüstvorgang kostet 300 €, ein Teil im Lager kostet 6 € pro Jahr.

  1. Tagesbedarf: d = 24.000 ÷ 240 = 100 Teile/Tag.
  2. Faktor: 1 − 100 ÷ 400 = 0,75.
  3. Los: q* = √(2 × 24.000 × 300 ÷ (6 × 0,75)) = √(14.400.000 ÷ 4,5) = √3.200.000 ≈ 1.789 Teile.
  4. Höchstbestand: 1.789 × 0,75 ≈ 1.342 Teile.
  5. Fertigungsdauer je Los: 1.789 ÷ 400 ≈ 4,5 Tage. Gesamter Zyklus: 1.789 ÷ 100 ≈ 17,9 Tage.
  6. Lose pro Jahr: 24.000 ÷ 1.789 ≈ 13,4.

Bei der optimalen Losgröße sind Rüstkosten und Lagerkosten gleich hoch:

Los qLose/JahrRüsten (€)Lagern (€)Gesamt (€)
1.00024,07.2002.2509.450
1.50016,04.8003.3758.175
1.78913,44.0254.0258.050
2.00012,03.6004.5008.100
2.5009,62.8805.6258.505

Die Kostenkurve ist nahe dem Minimum flach: Ein Los von 2.000 kostet nur 50 € mehr (0,6 %). Das erlaubt, auf eine praktische Menge zu runden, etwa ein Vielfaches der Behältergröße oder der Schichtleistung.

Produktionslos oder Bestellmenge: was gilt wann

Mit der Einkaufsformel (ohne den Faktor 1 − d ÷ p) ergibt dasselbe Beispiel q = √(2 × 24.000 × 300 ÷ 6) ≈ 1.549 Teile. Auf ein selbst gefertigtes Teil angewendet, führt dieses Los zu Kosten von rund 8.133 €, also 1,0 % über dem Optimum. Der Unterschied ist hier klein, weil d ÷ p bei 25 % liegt; er wächst, wenn die Produktion im Verhältnis zum Bedarf langsam ist.

KriteriumBestellmenge (Einkauf)Produktionslos (Fertigung)
AuffüllungGanzes Los auf einmalAllmählich mit Rate p
Fixkosten je LosBestellvorgangMaschinenrüsten
HöchstbestandGleich dem Los qq × (1 − d ÷ p)
Optimales LosKleinerGrößer, wegen der Überlappung

Der Rüstaufwand ist der Hebel

Die Mindestkosten wachsen mit der Wurzel der Rüstkosten: Mindestkosten = √(2 × D × S × H × (1 − d ÷ p)). Senkt im Beispiel eine Rüstzeitoptimierung nach SMED die Rüstkosten von 300 € auf 150 €, sinkt das optimale Los von 1.789 auf rund 1.265 Teile, und die jährlichen Gesamtkosten fallen von 8.050 € auf 5.692 € (−29 %). Kleinere Lose bedeuten weniger Bestand, eine kürzere Durchlaufzeit und mehr Flexibilität, also den Weg zur Produktionsglättung (Heijunka).

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Wann einsetzen und wie in der Fertigung anwenden

  1. Teile per ABC-Analyse einordnen; die Losgröße für A- und B-Teile berechnen.
  2. Die echten Rüstkosten erfassen: Maschinenstillstand, Personal, Einrichtausschuss und Probematerial, nicht nur den Lohn des Einrichters.
  3. H schätzen: gebundenes Kapital, Lagerung, Versicherung, Veralterung. Meist ein Prozentsatz der Stückkosten pro Jahr.
  4. Prüfen, dass p (reale Kapazität, nicht Nennleistung) größer als d ist. Siehe Produktionskapazität.
  5. q* berechnen, auf ein praktisches Los runden und bei jeder Änderung von Bedarf, Kosten oder Rate neu prüfen.
  6. Das Ergebnis als Losgrößenregel in die Materialbedarfsplanung (MRP) übernehmen.
  7. Bedarfsschwankungen mit dem Sicherheitsbestand abdecken, den die Losformel nicht berechnet.

Häufige Fehler und Grenzen

Häufig gestellte Fragen

Was ist die wirtschaftliche Losgröße in der Produktion?

Es ist die Menge je Fertigungslos, die die Summe aus Rüst- und Lagerkosten minimiert, wenn der Artikel gefertigt wird und allmählich ins Lager gelangt.

Wie lautet die Formel?

q* = √[2 × D × S ÷ (H × (1 − d ÷ p))], mit Jahresbedarf D, Rüstkosten S, jährlichen Lagerkosten je Stück H, Tagesbedarf d und Produktionsrate p pro Tag.

Was unterscheidet sie von der klassischen Bestellmenge?

Die Bestellmenge setzt voraus, dass das Los komplett eintrifft. Die Produktionslosformel berücksichtigt die allmähliche Auffüllung über den Faktor (1 − d ÷ p) und ergibt ein etwas größeres Los.

Welches Los ergibt das Beispiel im Artikel?

Mit D = 24.000, S = 300 €, H = 6 €, d = 100 und p = 400 beträgt das Los rund 1.789 Teile bei jährlichen Gesamtkosten von 8.050 €.

Was passiert mit dem Los, wenn der Rüstaufwand sinkt?

Es sinkt mit der Wurzel der Rüstkosten. Bei S von 300 € auf 150 € fällt das Los auf rund 1.265 Teile und die Jahreskosten um 29 %.

Berücksichtigt die Formel Fehlmengen oder Bedarfsschwankungen?

Nein. Das Grundmodell setzt konstanten Bedarf voraus. Schwankungen werden getrennt über einen Sicherheitsbestand abgedeckt.

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Quellen

  1. TAFT, E. W.: The most economical production lot. The Iron Age, 1918.
  2. HARRIS, F. W.: How many parts to make at once. Factory, The Magazine of Management, 1913.
  3. NAHMIAS, S.: Production and Operations Analysis. McGraw-Hill/Irwin.
  4. TEMPELMEIER, H.: Bestandsmanagement in Supply Chains. Norderstedt: Books on Demand.
  5. SILVER, E. A.; PYKE, D. F.; PETERSON, R.: Inventory Management and Production Planning and Scheduling. Wiley.

Zum Weiterlernen: verlässliche Quellen und Links

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Foto von Vagner Soares

Über den Autor

Vagner Soares

Spezialist für Lean Manufacturing und Verhaltensmanagement

Über 20 Jahre in der Automobil- und Metallindustrie (GM und Dana), Praktiker für Lean Manufacturing seit 2006. SENAI-Dozent und Mentor im brasilianischen Programm Brasil Mais Produtivo, mit Beratung, Schulung und Audits für über 50 Unternehmen. Er verbindet Qualität, Produktivität und Personalentwicklung.