Teileregale an einer Montagelinie, ein Lieferant prüft den Bestand am Verbrauchsort, mit dezentem grünem Akzent

Was VMI und Konsignationslager sind

Bei der lieferantengesteuerten Bestandsführung (VMI, Vendor Managed Inventory) überwacht der Lieferant den Bestand beim Kunden und entscheidet, wie viel er wann nachliefert, innerhalb vereinbarter Mindest- und Höchstbestände. Beim Konsignationslager steht die Ware beim Kunden, bleibt aber Eigentum des Lieferanten, bis sie entnommen wird; erst dann kauft und bezahlt der Kunde sie.

Das sind zwei verschiedene Konzepte, die oft zusammen auftreten. VMI beantwortet "wer entscheidet über den Nachschub"; die Konsignation beantwortet "wem gehört der Bestand". Jedes kann ohne das andere bestehen.

Visuelle Karte: Informationsfluss und Bestandseigentum

Die Karte zeigt den Datenfluss zwischen Kunde und Lieferant, den Zeitpunkt des Eigentumsübergangs und das Zahlenbeispiel.

VMI UND KONSIGNATIONSLAGER
Visuelle Karte 215: Konsignationslager und VMI: Funktionsweise und Einsatz. Klicken Sie auf die Karte für die Originalgröße.Karte als PNG herunterladen

VMI und Konsignation: der Unterschied in einer Tabelle

KriteriumKlassische BeschaffungVMIKonsignation
Wer entscheidet über den NachschubKunde (Bestellung)LieferantEine der beiden Parteien
Wem gehört der Bestand beim KundenDem KundenDem Kunden, sofern nicht anders vereinbartDem Lieferanten bis zur Entnahme
Wann der Kunde zahltNach WareneingangNach WareneingangNach Entnahme
Fließende InformationBestellungBestand und VerbrauchVerbrauch und Konsignationsbestand
Risiko der ÜberalterungKundeKundeLieferant

Die häufigste Kombination ist VMI mit Konsignation: Der Lieferant füllt nach und bleibt Eigentümer der Ware im Regal.

Wie VMI funktioniert: Mindestbestand, Höchstbestand, Nachschub

Der Kunde teilt dem Lieferanten Verbrauch und Bestand per EDI, Portal oder Tabelle mit. Der Lieferant nutzt diese Daten, um zwischen zwei Grenzen nachzuliefern.

Mindestbestand = Tagesverbrauch × (Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitstage)

Höchstbestand = Mindestbestand + Tagesverbrauch × Nachschubintervall

Der Mindestbestand deckt Lieferzeit und Schwankung ab; der Höchstbestand legt den physischen und finanziellen Raum fest, den der Lieferant belegen darf. Die Sicherheitsreserve wird unter Sicherheitsbestand berechnet, der klassische Bestellpunkt unter Bestandsmanagement.

In der Praxis vergleicht der Lieferant den Bestand in jedem Zyklus mit dem Mindestbestand. Liegt der Bestand nahe am Minimum, liefert er die Differenz bis zum Höchstbestand. Der Kunde schreibt keine Bestellungen mehr Artikel für Artikel.

Rechenbeispiel: Sonderschraube mit Verbrauch von 50 pro Tag

Beispiel (fiktiv): Ein Montagebetrieb verbraucht 50 Stück pro Tag eines Artikels zu R$ 12,00 (brasilianische Real). Die Wiederbeschaffungszeit beträgt 2 Tage, die Sicherheit 1 Tag, der Nachschub erfolgt alle 3 Tage. Der Monat hat 20 Arbeitstage.

Mindestbestand = 50 × (2 + 1) = 150 Stück. Höchstbestand = 150 + 50 × 3 = 300 Stück. Durchschnittsbestand (Näherung) = (150 + 300) ÷ 2 = 225 Stück.

Zuvor kaufte der Kunde ein Monatslos von 1.000 Stück (50 × 20) mit 150 Stück Sicherheitsbestand. Der Durchschnittsbestand lag bei 150 + 1.000 ÷ 2 = 650 Stück. Bei Kapitalkosten von 1,5 % pro Monat:

SzenarioDurchschnittsbestand (Stk.)Wert in der Bilanz des KundenKapitalkosten pro Monat
Klassische Beschaffung (Monatslos)650R$ 7.800,00R$ 117,00
VMI ohne Konsignation225R$ 2.700,00R$ 40,50
VMI mit Konsignation225R$ 0,00 (Eigentum des Lieferanten)R$ 0,00 beim Kunden; R$ 40,50 beim Lieferanten

VMI senkt den Bestand des Kunden um 425 Stück, also um R$ 5.100,00 gebundenes Kapital (7.800 − 2.700). Mit Konsignation werden R$ 7.800,00 freigesetzt. Die R$ 40,50 pro Monat wandern zum Lieferanten, der sie über den Preis zurückholt: Sie entsprechen rund 0,34 % des monatlichen Umsatzes von R$ 12.000,00 (1.000 × 12). Übersteigt der Nutzen des Lieferanten aus Logistik und Bedarfstransparenz diesen Betrag, rechnet sich die Vereinbarung für beide Seiten.

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Wie die Konsignation in der Praxis läuft

Wann VMI und Konsignation sinnvoll sind

Gut geeignetVermeiden bei
Regelmäßigem, vorhersehbarem VerbrauchSehr unregelmäßigem Verbrauch oder projektspezifischen Artikeln
Artikeln mit niedrigem Wert und hohem Umschlag (C in der ABC-Analyse)Teuren Artikeln mit hohem Überalterungsrisiko
Wenigen strategischen Lieferanten, VertrauensbasisLieferanten ohne System zur Bestandsüberwachung
Nahem Lieferanten, häufiger AnlieferungWeitem Weg und langer Lieferzeit
Lagerfläche am VerbrauchsortFehlender Zugangskontrolle und Inventurdisziplin

Artikel mit kontinuierlichem Verbrauch passen oft zu Kanban mit dem Lieferanten oder zur Versorgung per Milkrun. Zur Partnerauswahl siehe die Lieferantenbewertung.

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Einführung in 6 Schritten

  1. Artikel auswählen: Beginnen Sie mit 10 bis 20 Artikeln mit stabilem Verbrauch.
  2. Parameter vereinbaren: Mindestbestand, Höchstbestand, Nachschubzyklus und Lieferzeit, mit der obigen Formel.
  3. Datenfluss festlegen: Häufigkeit und Format der Meldung von Verbrauch und Bestand.
  4. Kaufmännische Regeln festlegen: Preis, Zahlungsziel, Eigentum, Verluste und Höchstdauer.
  5. Lager anpassen: gekennzeichneter Bereich, Lagerplätze und kontrollierter Zugang; zur Bilanzwirkung siehe die Bestandsbewertung.
  6. Messen und prüfen: Fehlmengen, Umschlag, Lieferungen und Bestandsgenauigkeit, monatlich (Lagerumschlag).

Der geteilte Verbrauch hilft auch, den Peitscheneffekt in der Lieferkette zu senken, weil der Lieferant den realen Bedarf sieht statt aufgeblähter Bestellungen.

Häufige Fehler und Grenzen

Häufige Fragen

Was ist VMI?

Das Modell, in dem der Lieferant den Bestand des Kunden überwacht und den Nachschub zwischen vereinbartem Mindest- und Höchstbestand steuert.

Was ist ein Konsignationslager?

Ware, die beim Kunden steht, aber bis zur Entnahme dem Lieferanten gehört. Der Kunde zahlt nur, was er verbraucht.

Sind VMI und Konsignation dasselbe?

Nein. VMI legt fest, wer den Nachschub steuert; die Konsignation, wem der Bestand gehört. Sie lassen sich kombinieren oder getrennt einsetzen.

Wie berechnet man Mindest- und Höchstbestand?

Mindestbestand = Tagesverbrauch × (Wiederbeschaffungszeit + Sicherheit); Höchstbestand = Mindestbestand + Tagesverbrauch × Nachschubintervall. Im Beispiel 150 und 300 Stück.

Wer trägt die Bestandskosten bei Konsignation?

Der Lieferant bindet das Kapital bis zur Entnahme und holt die Kosten in der Regel über Preis oder Vertragsbedingungen zurück.

Wann lohnt sich VMI nicht?

Bei unregelmäßigem Verbrauch, teuren Artikeln mit Überalterungsrisiko, langer Lieferzeit oder ohne verlässliche Bestandsdaten.

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Quellen

  1. CHOPRA, S.; MEINDL, P.: Supply Chain Management: Strategie, Planung und Umsetzung. München: Pearson.
  2. SIMCHI-LEVI, D.; KAMINSKY, P.; SIMCHI-LEVI, E.: Designing and Managing the Supply Chain. New York: McGraw-Hill.
  3. PFOHL, H.-C.: Logistiksysteme: Betriebswirtschaftliche Grundlagen. Berlin: Springer.
  4. SCHUH, G. (Hrsg.): Produktionsplanung und -steuerung. Berlin: Springer.

Zum Weiterlernen: verlässliche Quellen und Links

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Foto von Vagner Soares

Über den Autor

Vagner Soares

Spezialist für Lean Manufacturing und Verhaltensmanagement

Über 20 Jahre in der Automobil- und Metallindustrie (GM und Dana), Praktiker für Lean Manufacturing seit 2006. SENAI-Dozent und Mentor im brasilianischen Programm Brasil Mais Produtivo, mit Beratung, Schulung und Audits für über 50 Unternehmen. Er verbindet Qualität, Produktivität und Personalentwicklung.