
- Was VMI und Konsignationslager sind
- Visuelle Karte: Informationsfluss und Bestandseigentum
- VMI und Konsignation: der Unterschied in einer Tabelle
- Wie VMI funktioniert: Mindestbestand, Höchstbestand, Nachschub
- Rechenbeispiel: Sonderschraube mit Verbrauch von 50 pro Tag
- Wie die Konsignation in der Praxis läuft
- Wann VMI und Konsignation sinnvoll sind
- Einführung in 6 Schritten
- Häufige Fehler und Grenzen
- Häufige Fragen
Was VMI und Konsignationslager sind
Bei der lieferantengesteuerten Bestandsführung (VMI, Vendor Managed Inventory) überwacht der Lieferant den Bestand beim Kunden und entscheidet, wie viel er wann nachliefert, innerhalb vereinbarter Mindest- und Höchstbestände. Beim Konsignationslager steht die Ware beim Kunden, bleibt aber Eigentum des Lieferanten, bis sie entnommen wird; erst dann kauft und bezahlt der Kunde sie.
Das sind zwei verschiedene Konzepte, die oft zusammen auftreten. VMI beantwortet "wer entscheidet über den Nachschub"; die Konsignation beantwortet "wem gehört der Bestand". Jedes kann ohne das andere bestehen.
Visuelle Karte: Informationsfluss und Bestandseigentum
Die Karte zeigt den Datenfluss zwischen Kunde und Lieferant, den Zeitpunkt des Eigentumsübergangs und das Zahlenbeispiel.

VMI und Konsignation: der Unterschied in einer Tabelle
| Kriterium | Klassische Beschaffung | VMI | Konsignation |
|---|---|---|---|
| Wer entscheidet über den Nachschub | Kunde (Bestellung) | Lieferant | Eine der beiden Parteien |
| Wem gehört der Bestand beim Kunden | Dem Kunden | Dem Kunden, sofern nicht anders vereinbart | Dem Lieferanten bis zur Entnahme |
| Wann der Kunde zahlt | Nach Wareneingang | Nach Wareneingang | Nach Entnahme |
| Fließende Information | Bestellung | Bestand und Verbrauch | Verbrauch und Konsignationsbestand |
| Risiko der Überalterung | Kunde | Kunde | Lieferant |
Die häufigste Kombination ist VMI mit Konsignation: Der Lieferant füllt nach und bleibt Eigentümer der Ware im Regal.
Wie VMI funktioniert: Mindestbestand, Höchstbestand, Nachschub
Der Kunde teilt dem Lieferanten Verbrauch und Bestand per EDI, Portal oder Tabelle mit. Der Lieferant nutzt diese Daten, um zwischen zwei Grenzen nachzuliefern.
Mindestbestand = Tagesverbrauch × (Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitstage)
Höchstbestand = Mindestbestand + Tagesverbrauch × Nachschubintervall
Der Mindestbestand deckt Lieferzeit und Schwankung ab; der Höchstbestand legt den physischen und finanziellen Raum fest, den der Lieferant belegen darf. Die Sicherheitsreserve wird unter Sicherheitsbestand berechnet, der klassische Bestellpunkt unter Bestandsmanagement.
In der Praxis vergleicht der Lieferant den Bestand in jedem Zyklus mit dem Mindestbestand. Liegt der Bestand nahe am Minimum, liefert er die Differenz bis zum Höchstbestand. Der Kunde schreibt keine Bestellungen mehr Artikel für Artikel.
Rechenbeispiel: Sonderschraube mit Verbrauch von 50 pro Tag
Beispiel (fiktiv): Ein Montagebetrieb verbraucht 50 Stück pro Tag eines Artikels zu R$ 12,00 (brasilianische Real). Die Wiederbeschaffungszeit beträgt 2 Tage, die Sicherheit 1 Tag, der Nachschub erfolgt alle 3 Tage. Der Monat hat 20 Arbeitstage.
Mindestbestand = 50 × (2 + 1) = 150 Stück. Höchstbestand = 150 + 50 × 3 = 300 Stück. Durchschnittsbestand (Näherung) = (150 + 300) ÷ 2 = 225 Stück.
Zuvor kaufte der Kunde ein Monatslos von 1.000 Stück (50 × 20) mit 150 Stück Sicherheitsbestand. Der Durchschnittsbestand lag bei 150 + 1.000 ÷ 2 = 650 Stück. Bei Kapitalkosten von 1,5 % pro Monat:
| Szenario | Durchschnittsbestand (Stk.) | Wert in der Bilanz des Kunden | Kapitalkosten pro Monat |
|---|---|---|---|
| Klassische Beschaffung (Monatslos) | 650 | R$ 7.800,00 | R$ 117,00 |
| VMI ohne Konsignation | 225 | R$ 2.700,00 | R$ 40,50 |
| VMI mit Konsignation | 225 | R$ 0,00 (Eigentum des Lieferanten) | R$ 0,00 beim Kunden; R$ 40,50 beim Lieferanten |
VMI senkt den Bestand des Kunden um 425 Stück, also um R$ 5.100,00 gebundenes Kapital (7.800 − 2.700). Mit Konsignation werden R$ 7.800,00 freigesetzt. Die R$ 40,50 pro Monat wandern zum Lieferanten, der sie über den Preis zurückholt: Sie entsprechen rund 0,34 % des monatlichen Umsatzes von R$ 12.000,00 (1.000 × 12). Übersteigt der Nutzen des Lieferanten aus Logistik und Bedarfstransparenz diesen Betrag, rechnet sich die Vereinbarung für beide Seiten.
Wie die Konsignation in der Praxis läuft
- Eigentum: Der Lieferant liefert die Ware mit einem Konsignationslieferschein; sie wird im Lager des Kunden gekennzeichnet und getrennt gelagert.
- Auslöser des Kaufs: Die Entnahme für die Produktion (oder der Verkauf) überträgt das Eigentum. Dann wird die Rechnung gestellt; steuerliche Details hängen von Land und Vorgang ab und sind mit der Buchhaltung bzw. dem Steuerberater zu klären.
- Verbrauchsmeldung: Der Kunde meldet den Verbrauch je Periode, der Lieferant fakturiert das Entnommene. Abweichungen klärt die permanente Inventur.
- Verluste und Überalterung: Der Vertrag muss regeln, wer für Beschädigung, Diebstahl, Haltbarkeit und Ladenhüter haftet.
- Höchstdauer: Viele Vereinbarungen setzen eine Frist, bis zu der der Artikel entnommen oder zurückgegeben sein muss.
Wann VMI und Konsignation sinnvoll sind
| Gut geeignet | Vermeiden bei |
|---|---|
| Regelmäßigem, vorhersehbarem Verbrauch | Sehr unregelmäßigem Verbrauch oder projektspezifischen Artikeln |
| Artikeln mit niedrigem Wert und hohem Umschlag (C in der ABC-Analyse) | Teuren Artikeln mit hohem Überalterungsrisiko |
| Wenigen strategischen Lieferanten, Vertrauensbasis | Lieferanten ohne System zur Bestandsüberwachung |
| Nahem Lieferanten, häufiger Anlieferung | Weitem Weg und langer Lieferzeit |
| Lagerfläche am Verbrauchsort | Fehlender Zugangskontrolle und Inventurdisziplin |
Artikel mit kontinuierlichem Verbrauch passen oft zu Kanban mit dem Lieferanten oder zur Versorgung per Milkrun. Zur Partnerauswahl siehe die Lieferantenbewertung.
Einführung in 6 Schritten
- Artikel auswählen: Beginnen Sie mit 10 bis 20 Artikeln mit stabilem Verbrauch.
- Parameter vereinbaren: Mindestbestand, Höchstbestand, Nachschubzyklus und Lieferzeit, mit der obigen Formel.
- Datenfluss festlegen: Häufigkeit und Format der Meldung von Verbrauch und Bestand.
- Kaufmännische Regeln festlegen: Preis, Zahlungsziel, Eigentum, Verluste und Höchstdauer.
- Lager anpassen: gekennzeichneter Bereich, Lagerplätze und kontrollierter Zugang; zur Bilanzwirkung siehe die Bestandsbewertung.
- Messen und prüfen: Fehlmengen, Umschlag, Lieferungen und Bestandsgenauigkeit, monatlich (Lagerumschlag).
Der geteilte Verbrauch hilft auch, den Peitscheneffekt in der Lieferkette zu senken, weil der Lieferant den realen Bedarf sieht statt aufgeblähter Bestellungen.
Häufige Fehler und Grenzen
- Falsche Bestandsdaten beim Kunden: VMI ist nur so gut wie der gemeldete Bestand.
- Mindest- und Höchstbestand einmal berechnet und bei Verbrauchsänderung nie überprüft.
- Ein Vertrag ohne Regel für Überalterung und Ladenhüter.
- Konsignation als "kostenloses Lager" sehen: Die Kapitalkosten existieren und kommen über den Preis zurück.
- Fehlende Zugangskontrolle zum Konsignationsbestand, Entnahmen ohne Buchung.
- Das Fehlmengenrisiko auf den Lieferanten abwälzen, ohne ihm die Bedarfsprognose zu geben.
Häufige Fragen
Was ist VMI?
Das Modell, in dem der Lieferant den Bestand des Kunden überwacht und den Nachschub zwischen vereinbartem Mindest- und Höchstbestand steuert.
Was ist ein Konsignationslager?
Ware, die beim Kunden steht, aber bis zur Entnahme dem Lieferanten gehört. Der Kunde zahlt nur, was er verbraucht.
Sind VMI und Konsignation dasselbe?
Nein. VMI legt fest, wer den Nachschub steuert; die Konsignation, wem der Bestand gehört. Sie lassen sich kombinieren oder getrennt einsetzen.
Wie berechnet man Mindest- und Höchstbestand?
Mindestbestand = Tagesverbrauch × (Wiederbeschaffungszeit + Sicherheit); Höchstbestand = Mindestbestand + Tagesverbrauch × Nachschubintervall. Im Beispiel 150 und 300 Stück.
Wer trägt die Bestandskosten bei Konsignation?
Der Lieferant bindet das Kapital bis zur Entnahme und holt die Kosten in der Regel über Preis oder Vertragsbedingungen zurück.
Wann lohnt sich VMI nicht?
Bei unregelmäßigem Verbrauch, teuren Artikeln mit Überalterungsrisiko, langer Lieferzeit oder ohne verlässliche Bestandsdaten.
Quellen
- CHOPRA, S.; MEINDL, P.: Supply Chain Management: Strategie, Planung und Umsetzung. München: Pearson.
- SIMCHI-LEVI, D.; KAMINSKY, P.; SIMCHI-LEVI, E.: Designing and Managing the Supply Chain. New York: McGraw-Hill.
- PFOHL, H.-C.: Logistiksysteme: Betriebswirtschaftliche Grundlagen. Berlin: Springer.
- SCHUH, G. (Hrsg.): Produktionsplanung und -steuerung. Berlin: Springer.
Zum Weiterlernen: verlässliche Quellen und Links
- CSCMP: Supply Chain Management Definitions and Glossary (auf Englisch)
- ILOS: Instituto de Logística e Supply Chain (auf Portugiesisch)
- Wikipedia: Inventar
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