
Was ist die Vollkostenrechnung
Die Vollkostenrechnung (Absorptionskostenrechnung) verrechnet auf jedes Produkt alle Kosten der Herstellung: Einzel- und Gemeinkosten, fixe und variable. Einzelkosten werden dem Produkt direkt zugerechnet, Gemeinkosten über Zuschlagssätze mit einer Bezugsgröße wie Fertigungsstunden oder Maschinenstunden. Vertriebs- und Verwaltungskosten bleiben außen vor und gehen direkt in das Periodenergebnis.
Sie ist die Grundlage für die Bewertung der Bestände in Bilanz und Steuerbilanz und damit der Ausgangspunkt der Herstellkosten je Stück.
Visuelle Übersicht zur Vollkostenrechnung
Die Karte zeigt die Verrechnung Schritt für Schritt, das Beispiel mit zwei Produkten und den Vergleich mit der Teilkostenrechnung.

Welche Kosten eingehen und wie verrechnet wird
- Einzelkosten: Material, Komponenten und Fertigungslöhne, dem Produkt ohne Schlüsselung zugerechnet.
- Fertigungsgemeinkosten: Hallenmiete, Energie, Abschreibungen, Aufsicht, Instandhaltung und Werkzeuge, die mehreren Produkten dienen.
- Nicht in den Herstellkosten: Vertriebsprovisionen, Ausgangsfrachten, Verwaltungsgehälter.
Die Verrechnung läuft in vier Schritten (im Betriebsabrechnungsbogen, BAB, je Kostenstelle):
- Gemeinkosten der Periode summieren.
- Die Bezugsgröße wählen, die den Verbrauch am besten erklärt (Fertigungsstunden, Maschinenstunden, Fertigungslöhne, Stückzahl).
- Den Zuschlagssatz berechnen.
- Den Satz auf den Verbrauch jedes Produkts anwenden und zu den Einzelkosten addieren (Zuschlagskalkulation).
Formel des Zuschlagssatzes
Zuschlagssatz = Gemeinkosten der Periode ÷ Summe der Bezugsgröße
Herstellkosten je Stück = Materialeinzelkosten + Fertigungseinzelkosten + (Satz × Bezugsgröße je Stück)
Beispiel: zwei Produkte, 36.000 € Gemeinkosten
Fiktives Beispiel für einen Monat: Produkt A und Produkt B teilen sich dasselbe Werk.
| Angabe | Produkt A | Produkt B |
|---|---|---|
| Produktion (Stk.) | 1.000 | 500 |
| Material (€/Stk.) | 30,00 | 45,00 |
| Fertigungslohn (€/Stk.) | 12,00 | 20,00 |
| Fertigungsstunden je Stück | 0,5 | 1,0 |
| Fertigungsstunden im Monat | 500 | 500 |
Gemeinkosten im Monat: 36.000 €. Bezugsgröße: Fertigungsstunden (500 + 500 = 1.000 h). Satz = 36.000 ÷ 1.000 = 36,00 € je Stunde.
| Herstellkosten je Stück (€) | Produkt A | Produkt B |
|---|---|---|
| Material | 30,00 | 45,00 |
| Fertigungslohn | 12,00 | 20,00 |
| Gemeinkosten (36 × Stunden) | 18,00 | 36,00 |
| Summe je Stück | 60,00 | 101,00 |
Kontrolle: 1.000 × 60 + 500 × 101 = 110.500 = 36.000 Gemeinkosten + 74.500 Einzelkosten. Alle Gemeinkosten wurden verrechnet.
Wäre die Bezugsgröße der Fertigungslohn (12.000 € + 10.000 € = 22.000 €), betrüge der Zuschlagssatz 36.000 ÷ 22.000 = 163,6 %, und die Kosten änderten sich:
| Bezugsgröße | Kosten A | Kosten B |
|---|---|---|
| Fertigungsstunden | 60,00 € | 101,00 € |
| Fertigungslohn | 61,64 € | 97,73 € |
Die Wahl der Bezugsgröße verschiebt Kosten zwischen den Produkten, ohne die Summe zu ändern. Verzerrt eine einzelne Größe das Ergebnis, ist die Prozesskostenrechnung (Activity-Based Costing) die Alternative.
Wirkung auf das Ergebnis: Voll- und Teilkosten
Im Monat verkaufte das Unternehmen 800 Stück A zu 90,00 € und 400 Stück B zu 150,00 €. 200 Stück A und 100 Stück B gingen auf Lager.
| Position (€) | Vollkosten | Teilkosten |
|---|---|---|
| Umsatz (72.000 + 60.000) | 132.000 | 132.000 |
| Herstellkosten der verkauften Menge | 88.400 (800 × 60 + 400 × 101) | 59.600 (800 × 42 + 400 × 65) |
| Marge | 43.600 (Bruttoergebnis) | 72.400 (Deckungsbeitrag) |
| Fixkosten der Periode | bereits in den Produkten | 36.000 |
| Ergebnis | 43.600 | 36.400 |
| Endbestand | 22.100 | 14.900 |
Die Differenz von 7.200 € sind die fixen Gemeinkosten, die im Bestand geblieben sind: 200 × 18 + 100 × 36. Bei Vollkosten erhöht Produktion über den Absatz hinaus das Periodenergebnis, bei Teilkosten nicht. Das führt zum Deckungsbeitrag, dem besseren Maßstab für kurzfristige Entscheidungen.
Wann sie eingesetzt wird
- Bilanz und Steuer: Die Bewertung der Bestände zu Herstellungskosten folgt dem Vollkostenprinzip (HGB § 255, IAS 2).
- Langfristige Preisbildung: Der Preis muss auch die fixe Struktur decken, Grundlage des Aufschlags.
- Standardkosten: Standardkosten werden meist auf Vollkostenbasis aufgebaut.
- Maschinensätze: Der Maschinenstundensatz ist in automatisierten Prozessen die genauere Bezugsgröße als Lohnstunden.
Für kurzfristige Entscheidungen (Auftrag annehmen, Artikel streichen, Sortiment festlegen) ist der Deckungsbeitrag besser geeignet. Für die Menge, die die Fixkosten deckt, siehe den Break-even-Punkt.
Fehler und Grenzen
- Eine Bezugsgröße für alles: Produkte mit sehr unterschiedlichem Ressourcenverbrauch erhalten verzerrte Kosten.
- Leerkosten im Produkt: Sinkt die tatsächliche Produktion, steigt der Satz und damit die Stückkosten. Bei 600 Stück A und 300 Stück B (600 h) und einem Satz von 36,00 € auf Basis der Normalauslastung werden 21.600 € verrechnet, und 14.400 € Gemeinkosten bleiben unterdeckt. Sie gehören ins Periodenergebnis und nicht ins Produkt.
- Kurzfristige Entscheidung mit Vollkosten: Ein Produkt wegen geringer Bruttomarge zu streichen kann das Ergebnis verschlechtern, weil die fixen Gemeinkosten nicht verschwinden.
- Ergebnis hängt vom Bestand ab: Produktion auf Lager verbessert den Buchgewinn, ohne mehr zu verkaufen.
- Bestandsbewertung: Wer die Kostenermittlung mit FIFO, LIFO und gewogenem Durchschnitt ohne Regel mischt, erzeugt Inkonsistenzen.
Häufige Fragen
Was ist die Vollkostenrechnung?
Das Verfahren, das dem Produkt alle Herstellkosten zurechnet, Einzel- und Gemeinkosten, fixe und variable, wobei die Gemeinkosten verrechnet werden.
Worin unterscheidet sie sich von der Teilkostenrechnung?
Die Teilkostenrechnung belastet das Produkt nur mit variablen Kosten und bucht die Fixkosten direkt in die Periode. Im Beispiel lag das Ergebnis bei 43.600 € (Vollkosten) und 36.400 € (Teilkosten).
Wie wird der Zuschlagssatz berechnet?
Gemeinkosten der Periode geteilt durch die Summe der Bezugsgröße. Im Beispiel: 36.000 ÷ 1.000 Stunden = 36,00 € je Stunde.
Gehören Verwaltungskosten in die Herstellkosten?
Nein. Vertriebs- und Verwaltungskosten sind Periodenkosten; nur die Herstellkosten gehen in das Produkt.
Ist die Vollkostenrechnung verpflichtend?
Für Jahresabschluss und Steuern ja: Die Bestandsbewertung umfasst angemessene Fertigungsgemeinkosten. Für die interne Steuerung können weitere Verfahren ergänzen.
Welche Bezugsgröße soll man wählen?
Die, die den Verbrauch der Gemeinkosten am besten erklärt: Maschinenstunden in automatisierten Prozessen, Fertigungsstunden in manuellen.
Quellen
- COENENBERG, A. G.; FISCHER, T. M.; GÜNTHER, T. Kostenrechnung und Kostenanalyse. Schäffer-Poeschel.
- WÖHE, G.; DÖRING, U.; BRÖSEL, G. Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Vahlen.
- Handelsgesetzbuch (HGB), § 255; IAS 2 – Inventories. IFRS Foundation.
Zum Weiterlernen: verlässliche Quellen und Links
- Sebrae: gestão, custos e finanças para empresas (auf Portugiesisch)
- CFC: Conselho Federal de Contabilidade (auf Portugiesisch)
- Wikipedia: Kosten- und Leistungsrechnung
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