Fertigungshalle mit zwei fertigen Produkten auf Paletten und Hallenkonstruktion im Hintergrund, etwa Leuchten, Hallenkran und Gabelstapler

Was ist die Vollkostenrechnung

Die Vollkostenrechnung (Absorptionskostenrechnung) verrechnet auf jedes Produkt alle Kosten der Herstellung: Einzel- und Gemeinkosten, fixe und variable. Einzelkosten werden dem Produkt direkt zugerechnet, Gemeinkosten über Zuschlagssätze mit einer Bezugsgröße wie Fertigungsstunden oder Maschinenstunden. Vertriebs- und Verwaltungskosten bleiben außen vor und gehen direkt in das Periodenergebnis.

Sie ist die Grundlage für die Bewertung der Bestände in Bilanz und Steuerbilanz und damit der Ausgangspunkt der Herstellkosten je Stück.

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Visuelle Übersicht zur Vollkostenrechnung

Die Karte zeigt die Verrechnung Schritt für Schritt, das Beispiel mit zwei Produkten und den Vergleich mit der Teilkostenrechnung.

VOLLKOSTENRECHNUNG
Visuelle Karte 245: Vollkostenrechnung: Gemeinkosten verrechnen und wann nutzen. Klicken Sie auf die Karte für die Originalgröße.Karte als PNG herunterladen

Welche Kosten eingehen und wie verrechnet wird

Die Verrechnung läuft in vier Schritten (im Betriebsabrechnungsbogen, BAB, je Kostenstelle):

  1. Gemeinkosten der Periode summieren.
  2. Die Bezugsgröße wählen, die den Verbrauch am besten erklärt (Fertigungsstunden, Maschinenstunden, Fertigungslöhne, Stückzahl).
  3. Den Zuschlagssatz berechnen.
  4. Den Satz auf den Verbrauch jedes Produkts anwenden und zu den Einzelkosten addieren (Zuschlagskalkulation).

Formel des Zuschlagssatzes

Zuschlagssatz = Gemeinkosten der Periode ÷ Summe der Bezugsgröße

Herstellkosten je Stück = Materialeinzelkosten + Fertigungseinzelkosten + (Satz × Bezugsgröße je Stück)

Beispiel: zwei Produkte, 36.000 € Gemeinkosten

Fiktives Beispiel für einen Monat: Produkt A und Produkt B teilen sich dasselbe Werk.

AngabeProdukt AProdukt B
Produktion (Stk.)1.000500
Material (€/Stk.)30,0045,00
Fertigungslohn (€/Stk.)12,0020,00
Fertigungsstunden je Stück0,51,0
Fertigungsstunden im Monat500500

Gemeinkosten im Monat: 36.000 €. Bezugsgröße: Fertigungsstunden (500 + 500 = 1.000 h). Satz = 36.000 ÷ 1.000 = 36,00 € je Stunde.

Herstellkosten je Stück (€)Produkt AProdukt B
Material30,0045,00
Fertigungslohn12,0020,00
Gemeinkosten (36 × Stunden)18,0036,00
Summe je Stück60,00101,00

Kontrolle: 1.000 × 60 + 500 × 101 = 110.500 = 36.000 Gemeinkosten + 74.500 Einzelkosten. Alle Gemeinkosten wurden verrechnet.

Wäre die Bezugsgröße der Fertigungslohn (12.000 € + 10.000 € = 22.000 €), betrüge der Zuschlagssatz 36.000 ÷ 22.000 = 163,6 %, und die Kosten änderten sich:

BezugsgrößeKosten AKosten B
Fertigungsstunden60,00 €101,00 €
Fertigungslohn61,64 €97,73 €

Die Wahl der Bezugsgröße verschiebt Kosten zwischen den Produkten, ohne die Summe zu ändern. Verzerrt eine einzelne Größe das Ergebnis, ist die Prozesskostenrechnung (Activity-Based Costing) die Alternative.

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Wirkung auf das Ergebnis: Voll- und Teilkosten

Im Monat verkaufte das Unternehmen 800 Stück A zu 90,00 € und 400 Stück B zu 150,00 €. 200 Stück A und 100 Stück B gingen auf Lager.

Position (€)VollkostenTeilkosten
Umsatz (72.000 + 60.000)132.000132.000
Herstellkosten der verkauften Menge88.400 (800 × 60 + 400 × 101)59.600 (800 × 42 + 400 × 65)
Marge43.600 (Bruttoergebnis)72.400 (Deckungsbeitrag)
Fixkosten der Periodebereits in den Produkten36.000
Ergebnis43.60036.400
Endbestand22.10014.900

Die Differenz von 7.200 € sind die fixen Gemeinkosten, die im Bestand geblieben sind: 200 × 18 + 100 × 36. Bei Vollkosten erhöht Produktion über den Absatz hinaus das Periodenergebnis, bei Teilkosten nicht. Das führt zum Deckungsbeitrag, dem besseren Maßstab für kurzfristige Entscheidungen.

Wann sie eingesetzt wird

Für kurzfristige Entscheidungen (Auftrag annehmen, Artikel streichen, Sortiment festlegen) ist der Deckungsbeitrag besser geeignet. Für die Menge, die die Fixkosten deckt, siehe den Break-even-Punkt.

Fehler und Grenzen

Häufige Fragen

Was ist die Vollkostenrechnung?

Das Verfahren, das dem Produkt alle Herstellkosten zurechnet, Einzel- und Gemeinkosten, fixe und variable, wobei die Gemeinkosten verrechnet werden.

Worin unterscheidet sie sich von der Teilkostenrechnung?

Die Teilkostenrechnung belastet das Produkt nur mit variablen Kosten und bucht die Fixkosten direkt in die Periode. Im Beispiel lag das Ergebnis bei 43.600 € (Vollkosten) und 36.400 € (Teilkosten).

Wie wird der Zuschlagssatz berechnet?

Gemeinkosten der Periode geteilt durch die Summe der Bezugsgröße. Im Beispiel: 36.000 ÷ 1.000 Stunden = 36,00 € je Stunde.

Gehören Verwaltungskosten in die Herstellkosten?

Nein. Vertriebs- und Verwaltungskosten sind Periodenkosten; nur die Herstellkosten gehen in das Produkt.

Ist die Vollkostenrechnung verpflichtend?

Für Jahresabschluss und Steuern ja: Die Bestandsbewertung umfasst angemessene Fertigungsgemeinkosten. Für die interne Steuerung können weitere Verfahren ergänzen.

Welche Bezugsgröße soll man wählen?

Die, die den Verbrauch der Gemeinkosten am besten erklärt: Maschinenstunden in automatisierten Prozessen, Fertigungsstunden in manuellen.

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Quellen

  1. COENENBERG, A. G.; FISCHER, T. M.; GÜNTHER, T. Kostenrechnung und Kostenanalyse. Schäffer-Poeschel.
  2. WÖHE, G.; DÖRING, U.; BRÖSEL, G. Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Vahlen.
  3. Handelsgesetzbuch (HGB), § 255; IAS 2 – Inventories. IFRS Foundation.

Zum Weiterlernen: verlässliche Quellen und Links

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Foto von Vagner Soares

Über den Autor

Vagner Soares

Spezialist für Lean Manufacturing und Verhaltensmanagement

Über 20 Jahre in der Automobil- und Metallindustrie (GM und Dana), Praktiker für Lean Manufacturing seit 2006. SENAI-Dozent und Mentor im brasilianischen Programm Brasil Mais Produtivo, mit Beratung, Schulung und Audits für über 50 Unternehmen. Er verbindet Qualität, Produktivität und Personalentwicklung.