
- Was Wertanalyse und Value Engineering sind
- Visuelle Karte der Wertanalyse
- Wert, Funktion und Kosten
- Die Schritte des Arbeitsplans
- Beispiel: Funktions-Kosten-Matrix einer Baugruppe mit 5 Bauteilen
- Vom Wertindex zur Einsparung
- Wann einsetzen und wie mit anderen Methoden kombinieren
- Häufige Fehler
- Häufige Fragen
Was Wertanalyse und Value Engineering sind
Wertanalyse und Value Engineering (VE) sind dieselbe Methode zu unterschiedlichen Zeitpunkten: VE greift in der Konstruktion vor der Produktion, die Wertanalyse bei einem Produkt, das bereits in der Serie läuft. Die Methode fragt, welche Funktion das Objekt erfüllen muss und was die günstigste Art ist, sie zu erfüllen, ohne Leistung oder Qualität zu verlieren.
Ausgangspunkt ist L. D. Miles bei General Electric in den 1940er-Jahren. Kerngedanke: Der Kunde bezahlt die Funktion, nicht den Werkstoff und nicht das Teil. Deshalb ist die Methode keine Kostenkürzung: Wer das falsche Teil spart, senkt den Wert.
Visuelle Karte der Wertanalyse
Die Karte zeigt die Wertgleichung, die Funktions-Kosten-Matrix und das Beispiel von 12,00 € auf 9,80 €.

Wert, Funktion und Kosten
Wert = Funktion (Leistung) ÷ Kosten
Es gibt vier Wege, den Wert zu erhöhen: Funktion halten und Kosten senken; Funktion bei gleichen Kosten steigern; Funktion bei geringeren Kosten steigern; oder die Funktion etwas stärker steigern als die Kosten. In der Fertigung sind der erste und der dritte Weg am häufigsten.
Eine Funktion wird als Verb + Substantiv formuliert: „Last tragen“, „Fluid abdichten“, „Teil halten“. Diese Regel zwingt das Team, sich vom Bauteil zu lösen und zu fragen, was es leistet. Man unterscheidet Hauptfunktionen (der Existenzgrund des Produkts) von Nebenfunktionen (sie unterstützen oder folgen aus der gewählten Lösung).
Die Schritte des Arbeitsplans
- Informationen: Zeichnungen, Kosten, Stückzahlen und Kundenanforderungen sammeln. Die kostenstärksten Objekte nach der ABC-Logik auswählen.
- Funktionsanalyse: Funktionen in Verb und Substantiv auflisten und jeder eine Gewichtung (%) geben.
- Kreativität: Alternativen ohne Bewertung sammeln, wie beim Brainstorming.
- Bewertung: Ideen nach technischer Machbarkeit, Kosten und Risiko filtern.
- Ausarbeitung: die besten Ideen detaillieren, Prototypen testen und den Nutzen mit den Herstellkosten berechnen.
- Präsentation und Umsetzung: den Vorschlag mit Zahlen zur Entscheidung bringen und das Ergebnis verfolgen.
Beispiel: Funktions-Kosten-Matrix einer Baugruppe mit 5 Bauteilen
Fiktives Beispiel: Eine Baugruppe kostet 12,00 € pro Stück. Das Team gab der Funktion jedes Bauteils eine Gewichtung in Prozent (Summe 100 %). Der Wertindex ist der Funktionsanteil geteilt durch den Kostenanteil; die Zielkosten sind der Funktionsanteil mal die Gesamtkosten.
Wertindex = % Funktion ÷ % Kosten | Zielkosten = % Funktion × 12,00 €
| Bauteil | Ist-Kosten | % der Kosten | % der Funktion | Wertindex | Zielkosten | Abweichung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Gehäuse | 4,50 € | 37,5% | 30% | 0,80 | 3,60 € | +0,90 |
| Deckel | 2,00 € | 16,7% | 10% | 0,60 | 1,20 € | +0,80 |
| Schrauben | 1,20 € | 10,0% | 15% | 1,50 | 1,80 € | -0,60 |
| Dichtung | 0,80 € | 6,7% | 20% | 3,00 | 2,40 € | -1,60 |
| Halter | 3,50 € | 29,2% | 25% | 0,86 | 3,00 € | +0,50 |
| Summe | 12,00 € | 100% | 100% | 12,00 € |
Beispiel Gehäuse: 4,50 ÷ 12,00 = 37,5 % der Kosten; 30 ÷ 37,5 = 0,80; Zielkosten = 0,30 × 12,00 = 3,60 €; Abweichung 0,90 €. Ein Index unter 1 zeigt Kosten über der gelieferten Funktion. Gehäuse (0,80), Deckel (0,60) und Halter (0,86) sind Kandidaten. Dichtung (3,00) und Schrauben (1,50) haben einen hohen Index: Sie sind kein Sparziel und verdienen eventuell sogar mehr Aufwand.
Vom Wertindex zur Einsparung
Das Team erarbeitete drei Vorschläge, die jeweils ein Bauteil auf seine Zielkosten bringen und die Funktion erhalten:
- Gehäuse: Wandstärke reduzieren ohne Steifigkeitsverlust: von 4,50 € auf 3,60 € (Einsparung 0,90 €).
- Deckel: gefrästes Teil durch Stanzteil ersetzen: von 2,00 € auf 1,20 € (Einsparung 0,80 €).
- Halter: Halter in das Gehäuse integrieren: von 3,50 € auf 3,00 € (Einsparung 0,50 €).
Einsparung pro Stück: 0,90 + 0,80 + 0,50 = 2,20 €. Die Kosten sinken von 12,00 € auf 9,80 €, eine Reduktion von 18,3 % (2,20 ÷ 12,00). Bei 40.000 Stück pro Jahr: 2,20 × 40.000 = 88.000 € pro Jahr. Die Gesamtfunktion (100 %) bleibt, der Wert steigt also von 100 ÷ 12,00 = 8,33 auf 100 ÷ 9,80 = 10,20 Funktionspunkte je Euro, ein Plus von 22,4 %.
Vor der Umsetzung sollten Werkzeug- und Prüfaufwand mit dieser Einsparung über Amortisation und Kapitalwert verglichen und das Stanzteil sowie das Gehäuse durch Funktionsprüfungen abgesichert werden.
Wann einsetzen und wie mit anderen Methoden kombinieren
- In der Konstruktionsphase (VE), solange der Großteil der Kosten noch festgelegt werden kann und Änderungen günstig sind.
- Bei reifen Produkten (Wertanalyse), wenn Kosten gesenkt werden sollen, ohne die Kundenspezifikation zu ändern.
- Mit Lean: VE senkt die im Entwurf verankerten Kosten, die 7 Verschwendungsarten greifen den Prozess an. Beide ergänzen sich.
- Im Einkauf: Alternativen nach den Gesamtbetriebskosten (TCO) bewerten, nicht nur nach dem Preis.
Häufige Fehler
- VE als Kostensenkung missverstehen: Kosten senken ohne die Funktion zu erhalten zerstört Wert.
- Funktionen als Bauteilnamen („Gehäuse“) statt als Verb und Substantiv formulieren.
- Funktionsanteile festlegen, ohne den Kunden zu hören oder echte Anforderungen zu kennen.
- Objekte mit Index über 1 ignorieren; sie können zu knapp kalkuliert sein und Ausfälle verursachen.
- Werkzeug, Prüfungen und Freigabe nicht einrechnen, bevor die Einsparung versprochen wird.
- Die Studie ohne Konstruktion, Einkauf, Qualität und Produktion durchführen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Value Engineering und Wertanalyse?
Es ist dieselbe Methode. Value Engineering wird in der Konstruktion angewendet, die Wertanalyse bei Produkten, die bereits gefertigt werden.
Wie lautet die Formel für den Wert?
Wert = Funktion (Leistung) ÷ Kosten. Um den Wert zu steigern, hält oder erhöht man die Funktion und senkt die Kosten.
Wie berechnet man den Wertindex?
Den prozentualen Funktionsanteil durch den prozentualen Kostenanteil des Bauteils teilen. Beim Gehäuse: 30 ÷ 37,5 = 0,80.
Was sind Zielkosten in der Wertanalyse?
Die Kosten, die ein Bauteil hätte, wenn sie seiner funktionalen Bedeutung folgten: % Funktion × Gesamtkosten. Beim Gehäuse: 0,30 × 12,00 = 3,60 €.
Ist Value Engineering dasselbe wie Kostensenkung?
Nein. Ziel ist es, die Funktion bei geringeren Kosten zu halten oder zu steigern. Einsparungen, die die Funktion verschlechtern, senken den Wert.
Wer sollte an der Studie teilnehmen?
Ein funktionsübergreifendes Team: Konstruktion, Produktion, Qualität, Einkauf und, wenn möglich, der Kunde oder jemand, der seine Anforderungen kennt.
Quellen
- MILES, L. D. Techniques of Value Analysis and Engineering. New York: McGraw-Hill, 1961.
- DIN EN 12973: Value Management (Wertmanagement).
- MUDGE, A. E. Value Engineering: A Systematic Approach. New York: McGraw-Hill, 1971.
- SAVE International. Value Methodology Standard.
Zum Weiterlernen: verlässliche Quellen und Links
- Sebrae: gestão, custos e finanças para empresas (auf Portugiesisch)
- Wikipedia: Schlanke Produktion
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