Werker misst mit einer Bügelmessschraube eine gedrehte Welle, daneben Regelkarten auf einem Klemmbrett an der Maschine

Was ist die X-quer-R-Karte

Die X-quer-R-Karte ist ein Paar von Qualitätsregelkarten für kontinuierliche Merkmale: Eine Karte überwacht den Mittelwert jeder Stichprobe (X-quer), die andere die Spannweite (R). Die R-Karte zeigt, ob die Streuung innerhalb der Stichproben stabil ist; die X-quer-Karte zeigt, ob die Prozesslage wandert.

Sie ist die klassische Karte der statistischen Prozesslenkung (SPC) für Durchmesser, Länge, Drehmoment oder Gewicht, wenn je Entnahme 2 bis 10 aufeinanderfolgende Teile geprüft werden können. Bei Einzelwerten nehmen Sie die Einzelwertkarte (I-MR).

Visuelle Übersicht der X-quer-R-Karte

Die Übersicht fasst Stichproben, Formeln, Faktoren und Auswerteregeln zusammen, mit denselben Zahlen wie das Beispiel unten.

X-QUER-R-KARTE
Visuelle Karte 168: X-quer-R-Karte: erstellen und auswerten, mit Beispiel. Klicken Sie auf die Karte für die Originalgröße.Karte als PNG herunterladen

Stichproben richtig bilden

Die rationale Stichprobe ist die Grundlage der Karte: Die Teile darin sollen unter gleichen Bedingungen entstehen (gleiche Maschine, gleicher Werker, gleiche Materialcharge, zeitlich nah beieinander). So zeigt die Streuung innerhalb der Stichprobe nur die zufällige Streuung, und die Streuung zwischen den Stichproben deckt systematische Einflüsse auf.

Formeln und Faktoren

Gesamtmittelwert = Σ X-quer ÷ k  |  mittlere Spannweite R-quer = Σ R ÷ k

X-quer-Karte: OEG = Gesamtmittelwert + A2 × R-quer; UEG = Gesamtmittelwert − A2 × R-quer

R-Karte: OEG = D4 × R-quer; UEG = D3 × R-quer

Die Faktoren hängen vom Stichprobenumfang (n) ab. Für n ≤ 6 ist D3 gleich null, die R-Karte hat dann keine untere Grenze.

nA2D3D4d2
21,88003,2671,128
31,02302,5741,693
40,72902,2822,059
50,57702,1142,326
60,48302,0042,534
70,4190,0761,9242,704
80,3730,1361,8642,847
90,3370,1841,8162,970
100,3080,2231,7773,078

Die geschätzte Kurzzeitstreuung ist σ = R-quer ÷ d2. Sie geht in die Kennwerte Cp und Cpk ein.

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Durchgerechnetes Beispiel: Wellendurchmesser 25,00 ± 0,10 mm

Fiktives Beispiel: Jede Stunde misst der Werker 5 aufeinanderfolgende Wellen (n = 5) und trägt Mittelwert und Spannweite ein. Es liegen 20 Stichproben vor (Werte in mm).

Nr.X-querRNr.X-querR
124,99800,0391125,00620,013
224,98800,0711224,99540,057
324,99540,0291324,99860,078
425,01640,0781425,00580,022
525,01060,0291524,99640,077
625,00160,0311625,00580,025
724,99860,0451724,99160,059
824,99540,0301825,00280,019
925,01680,0641925,01160,037
1024,98940,0702025,00120,074
  1. Gesamtwerte: Gesamtmittelwert = 500,026 ÷ 20 = 25,0013 mm und R-quer = 0,947 ÷ 20 = 0,0473 mm.
  2. R-Karte: OEG = 2,114 × 0,0473 = 0,1000; UEG = 0 (n = 5). Die größte Spannweite beträgt 0,078 und liegt unter der Grenze.
  3. X-quer-Karte: A2 × R-quer = 0,577 × 0,0473 = 0,0273. Damit OEG = 25,0013 + 0,0273 = 25,0286 und UEG = 25,0013 − 0,0273 = 24,9740.
  4. Auswertung: Die Mittelwerte liegen zwischen 24,9880 und 25,0168, alle innerhalb der Grenzen und ohne Trend. Der Prozess ist statistisch beherrscht.
  5. Fähigkeit: σ = 0,0473 ÷ 2,326 = 0,0203. Bei Toleranz 24,90 bis 25,10: Cp = 0,20 ÷ (6 × 0,0203) = 1,64 und Cpk = 0,0987 ÷ (3 × 0,0203) = 1,62.

Cp und Cpk sind nur sinnvoll, wenn beide Karten stabil sind. Liegt ein neuer Mittelwert über 25,0286, ist von einer systematischen Ursache auszugehen: erst untersuchen, dann nachstellen.

Karten richtig auswerten

Zuerst die R-Karte prüfen. Ist die Spannweite instabil, sind die Grenzen der X-quer-Karte nicht belastbar. Typische Signale für systematische Einflüsse:

Eingriffsgrenzen sind keine Toleranzgrenzen: Die einen stammen aus dem Prozess, die anderen vom Kunden. Die statistische Grundlage erklärt der Beitrag zur Normalverteilung und Standardabweichung.

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Schritt für Schritt zur eigenen Karte

  1. Kritisches Merkmal und Messmittel festlegen.
  2. Stichprobenumfang n und Prüfintervall bestimmen.
  3. 20 bis 25 Stichproben erfassen und X-quer sowie R je Stichprobe berechnen.
  4. Gesamtmittelwert, R-quer und die Grenzen beider Karten berechnen.
  5. Punkte eintragen, Signale untersuchen und Stichproben mit erkannter und beseitigter Ursache herausnehmen.
  6. Grenzen neu berechnen und für die laufende Überwachung verwenden.

Handelt es sich um Anzahlen fehlerhafter Teile, gilt eine andere Karte: siehe p-Karte und Fehlerzahl je Einheit (c- und u-Karte).

Häufige Fehler

Häufige Fragen

Wofür dient die X-quer-R-Karte?

Sie überwacht Lage und Streuung eines gemessenen Merkmals und erkennt systematische Einflüsse, bevor Teile außerhalb der Spezifikation entstehen.

Welcher Stichprobenumfang ist ideal?

Meist 4 bis 5 Teile. Über 10 nimmt man die X-quer-s-Karte.

Wie lauten die Formeln der Eingriffsgrenzen?

X-quer-Karte: Gesamtmittelwert ± A2 × R-quer. R-Karte: OEG = D4 × R-quer und UEG = D3 × R-quer.

Wie viele Stichproben brauche ich zum Start?

20 bis 25 Stichproben, um die ersten Grenzen zu berechnen.

Was ist der Unterschied zwischen Eingriffs- und Toleranzgrenzen?

Eingriffsgrenzen ergeben sich aus der Prozessstreuung, Toleranzgrenzen aus Kundenforderung oder Konstruktion. Das eine ersetzt das andere nicht.

Wann nehme ich X-quer-R statt I-MR?

Wenn sich Stichproben von 2 bis 10 Teilen unter gleichen Bedingungen bilden lassen. Bei einem Messwert je Entnahme gilt I-MR.

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Quellen

  1. MONTGOMERY, D. C. Introduction to Statistical Quality Control. Wiley.
  2. SHEWHART, W. A. Economic Control of Quality of Manufactured Product. Van Nostrand, 1931.
  3. AIAG. Statistical Process Control (SPC) Reference Manual. 2. Aufl., 2005.
  4. ISO 7870-2. Control charts: Shewhart control charts.
  5. DIETRICH, E.; SCHULZE, A. Statistische Verfahren zur Maschinen- und Prozessqualifikation. Hanser.

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Foto von Vagner Soares

Über den Autor

Vagner Soares

Spezialist für Lean Manufacturing und Verhaltensmanagement

Über 20 Jahre in der Automobil- und Metallindustrie (GM und Dana), Praktiker für Lean Manufacturing seit 2006. SENAI-Dozent und Mentor im brasilianischen Programm Brasil Mais Produtivo, mit Beratung, Schulung und Audits für über 50 Unternehmen. Er verbindet Qualität, Produktivität und Personalentwicklung.