Bediener prüft eine Stanzpresse mit Schutzzaun und grün markiertem Sicherheitsboden

Was sind Risikomatrix und Gefährdungsbeurteilung

Die Risikomatrix stuft jedes Risiko durch Kreuzung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensschwere ein, und die Gefährdungsbeurteilung ist die vorausschauende Untersuchung der Gefährdungen einer Tätigkeit, die diese Matrix nutzt, um zu entscheiden, was zuerst behandelt wird. Das Risiko ergibt sich als Wahrscheinlichkeit × Schwere.

Der Ansatz stammt aus der Systemsicherheit (im englischen Sprachraum als Preliminary Hazard Analysis, MIL-STD-882) und erfolgt vor dem Betrieb, solange das Beseitigen der Gefahr noch günstig ist. In der Fertigung eignet er sich für Werkzeugwechsel, Lastenhandhabung und Instandhaltung und ergänzt die FMEA, die Produkt- und Prozessfehler betrachtet.

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Visuelle Karte von Risikomatrix und Gefährdungsbeurteilung

Die Karte zeigt die 5x5-Matrix, die Handlungsstufen und das Beispiel mit Risiko vor und nach den Maßnahmen.

RISIKOMATRIX UND GEFÄHRDUNGSBEURTEILUNG
Visuelle Karte 139: Risikomatrix und Gefährdungsbeurteilung: Beispiel und Vorlage. Klicken Sie auf die Karte für die Originalgröße.Karte als PNG herunterladen

Die 5x5-Matrix: Skalen und Stufen

Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit (E) × Schadensschwere (S)

Legen Sie die Bedeutung jeder Stufe schriftlich fest. Ohne Definition ist die Matrix Ansichtssache. Beispielskalen:

StufeEintrittswahrscheinlichkeitSchadensschwere
1Sehr unwahrscheinlichUnerheblich: keine Verletzung oder nur Erste Hilfe
2UnwahrscheinlichGering: Verletzung mit Behandlung, ohne Ausfallzeit
3MöglichMittel: Verletzung mit Ausfallzeit
4WahrscheinlichSchwer: bleibende Verletzung
5HäufigKatastrophal: Tod oder dauerhafte Invalidität

5x5-Matrix mit dem Risiko jeder Zelle und der Stufe:

Schwere \ Eintrittswahrscheinlichkeit12345
55 · Mittel10 · Hoch15 · Hoch20 · Kritisch25 · Kritisch
44 · Niedrig8 · Mittel12 · Hoch16 · Hoch20 · Kritisch
33 · Niedrig6 · Mittel9 · Mittel12 · Hoch15 · Hoch
22 · Niedrig4 · Niedrig6 · Mittel8 · Mittel10 · Hoch
11 · Niedrig2 · Niedrig3 · Niedrig4 · Niedrig5 · Mittel

Stufen und Maßnahmen (Konvention dieses Beispiels; jedes Unternehmen legt sie selbst fest):

StufeRisiko (E × S)Maßnahme
Niedrig1 bis 4Akzeptieren und beobachten
Mittel5 bis 9Bei Machbarkeit senken, mit Plan und Termin
Hoch10 bis 16Vorrangig handeln; nur mit Übergangsmaßnahmen weiterarbeiten
Kritisch20 bis 25Tätigkeit stoppen, bis Schutzmaßnahmen wirken

Durchgerechnetes Beispiel: Stanzbereich

Fiktives Beispiel mit fünf Tätigkeiten. Jede erhält E und S vor den Maßnahmen, das Risiko wird berechnet, die Maßnahmen werden umgesetzt und E und S neu bewertet.

Tätigkeit und GefährdungESRisikoSchutzmaßnahmeESRestrisiko
Werkzeugwechsel an der Presse: Quetschen der Hand3515 (Hoch)Energiefreischaltung (LOTO) und Sicherheitsblock155 (Mittel)
Coil-Transport mit Kran: Lastabsturz2510 (Hoch)Anschlagmittel prüfen und Hubbereich absperren155 (Mittel)
Manuelles Bestücken von Kisten: Rückenbelastung428 (Mittel)Hubtisch am Arbeitsplatz224 (Niedrig)
Reinigen mit Druckluft: wegfliegende Partikel4312 (Hoch)Druckluft verbieten, Industriesauger einsetzen133 (Niedrig)
Öl auf dem Hallenboden: Sturz339 (Mittel)Auffangwanne und Reinigungsroutine133 (Niedrig)
Summe5420

Gesamtrisiko vorher: 15 + 10 + 8 + 12 + 9 = 54. Nachher: 5 + 5 + 4 + 3 + 3 = 20. Reduktion um (54 − 20) ÷ 54 ≈ 63 %. Vorher lagen drei Tätigkeiten in der Stufe Hoch (15, 10 und 12), nachher keine. Beachten Sie: Die Schwere von Quetschen und Lastabsturz bleibt bei 5. Die Maßnahme senkte die Wahrscheinlichkeit, nicht den Schaden, daher bleibt das Restrisiko Mittel und braucht Nachverfolgung.

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Rangfolge der Schutzmaßnahmen (TOP-Prinzip)

Bei der Festlegung der Maßnahmen gilt die Reihenfolge nach Wirksamkeit:

  1. Beseitigen der Gefahr (Tätigkeit oder Energie entfernen).
  2. Ersetzen durch ein weniger gefährliches Verfahren oder einen anderen Stoff: im Beispiel Sauger statt Druckluft.
  3. Technische Maßnahmen: trennende Schutzeinrichtungen, Verriegelungen, Zweihandschaltung; zur brasilianischen Maschinenvorschrift siehe NR-12 und Lean.
  4. Organisatorische Maßnahmen: Anweisungen, Kennzeichnung, Unterweisung, Energiefreischaltung.
  5. PSA: letzte Barriere, nicht die erste.

Technische Maßnahmen und Beseitigung senken die Wahrscheinlichkeit verlässlicher als verhaltensabhängige Maßnahmen. Haltungs- und Belastungsprobleme wie die Rückenbelastung im Beispiel behandelt der Beitrag Ergonomie in der Produktion.

Durchführung in 6 Schritten

  1. Umfang festlegen: Bereich, Maschine oder Tätigkeit. Bei neuen Projekten die Analyse vor Kauf oder Aufstellung durchführen.
  2. Arbeitsschritte auflisten und die tatsächliche Tätigkeit am Gemba beobachten, nicht die Anweisung auf dem Papier.
  3. Gefährdungen und Szenarien ermitteln: Gefahrenquelle, betroffene Personen und Verletzungshergang.
  4. E und S bewerten mit den Skalen des Unternehmens und das Risiko vor den Maßnahmen berechnen.
  5. Maßnahmen festlegen nach der Rangfolge: beseitigen, ersetzen, technische Schutzmaßnahmen, organisatorisch, PSA.
  6. Restrisiko neu bewerten, Verantwortlichen und Termin festlegen und nach Änderungen, Unfällen oder Beinaheunfällen überprüfen.

Bei vielen offenen Maßnahmen priorisieren Sie nach Stufe und ordnen gleich bewertete mit der GUT-Matrix. Maßnahmen, die von der Arbeitsplatzorganisation abhängen, passen zu 5S, und gefundene Abweichungen werden zu Korrekturmaßnahmen.

Häufige Fehler und Grenzen

Grenze: Die Matrix ist qualitativ. Sie ordnet Risiken, misst aber nicht das tatsächliche Risiko und ersetzt keine Detailanalyse bei katastrophaler Schwere.

Häufige Fragen

Was ist eine Gefährdungsbeurteilung?

Die systematische Ermittlung und Bewertung der Gefährdungen einer Tätigkeit oder Anlage mit Festlegung von Schutzmaßnahmen. Sie ist nach dem Arbeitsschutzgesetz (§ 5 ArbSchG) Pflicht des Arbeitgebers.

Wie berechnet man das Risiko in der Risikomatrix?

Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensschwere. In der 5x5-Matrix des Beispiels reicht das Ergebnis von 1 bis 25 und bestimmt die Risikostufe.

Was unterscheidet Gefährdungsbeurteilung und FMEA?

Die Gefährdungsbeurteilung betrachtet Tätigkeiten und Gefährdungen mit Fokus auf die Sicherheit von Personen. Die FMEA analysiert Fehlermöglichkeiten von Produkt oder Prozess mit Bedeutung, Auftreten und Entdeckung.

Was ist das TOP-Prinzip?

Rangfolge der Schutzmaßnahmen: erst Gefahr beseitigen oder ersetzen, dann technische (T), organisatorische (O) und zuletzt personenbezogene (P) Maßnahmen wie PSA.

Ist eine 5x5-Matrix vorgeschrieben?

Nein. Vorschriften und Normen verlangen eine systematische Beurteilung, legen aber die Matrixgröße nicht fest. Üblich sind 3x3, 4x4 und 5x5.

Wann ist die Matrix zu überprüfen?

Nach Unfällen oder Beinaheunfällen, bei Änderung von Maschine, Layout, Verfahren oder Material und in vom Unternehmen festgelegten Abständen.

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Quellen

  1. Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), § 5: Beurteilung der Arbeitsbedingungen.
  2. DIN EN ISO 12100: Sicherheit von Maschinen: Allgemeine Gestaltungsleitsätze, Risikobeurteilung und Risikominderung.
  3. DIN ISO 31000: Risikomanagement: Leitlinien.
  4. ISO 45001: Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.

Zum Weiterlernen: verlässliche Quellen und Links

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Foto von Vagner Soares

Über den Autor

Vagner Soares

Spezialist für Lean Manufacturing und Verhaltensmanagement

Über 20 Jahre in der Automobil- und Metallindustrie (GM und Dana), Praktiker für Lean Manufacturing seit 2006. SENAI-Dozent und Mentor im brasilianischen Programm Brasil Mais Produtivo, mit Beratung, Schulung und Audits für über 50 Unternehmen. Er verbindet Qualität, Produktivität und Personalentwicklung.