Techniker entnimmt einem Industriegetriebe eine Ölprobe in ein Glasgefäß

Was Schmierung und Ölanalyse in der Industrie bedeuten

Industrielle Schmierung heißt: der richtige Schmierstoff in der richtigen Menge an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt, um Reibung, Wärme und Verschleiß zu senken. Die Ölanalyse ist die regelmäßige Laboruntersuchung einer Schmierstoffprobe: Sie zeigt den Zustand des Öls, die Verunreinigung und den inneren Verschleiß der Maschine, ohne sie zu öffnen.

Beides bildet einen Regelkreis. Der Schmierplan legt fest, was wann aufgebracht wird; die Analyse prüft, ob der Plan wirkt, und warnt vor dem Ausfall. Sie ist der praktische Kern der vorbeugenden und zustandsorientierten Instandhaltung bei Getrieben, Hydrauliksystemen, Kompressoren und Lagern.

Visuelle Karte: Schmierplan und Ölanalyse

Die Karte fasst Schmierplan, Fettmengenberechnung, Verunreinigung und das Lesen von Viskosität und ISO-4406-Code zusammen.

SCHMIERUNG UND ÖLANALYSE
Visuelle Karte 252: Schmierung und Ölanalyse in der Industrie: Plan und Diagnose. Klicken Sie auf die Karte für die Originalgröße.Karte als PNG herunterladen
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Schmierplan: Was er enthalten muss

Ein Schmierplan ist eine Liste von Schmierstellen, und jede Stelle beantwortet sechs Fragen: welcher Schmierstoff, wie viel, wie oft, mit welcher Methode, wer führt aus und was ist bei Auffälligkeiten zu tun. Der Plan fließt als Aufgaben mit Termin und Verantwortlichem in den Wartungsplan ein und als Rundgang des Bedieners in die autonome Instandhaltung der TPM.

SchmierstelleSchmierstoffMengeIntervallMethodeVerantwortlich
Getriebe FörderbandMineralöl ISO VG 220Stand im SchauglasWöchentlich prüfen; Analyse alle 3 MonateStand und Leckage prüfenBediener / Schmierer
Motorlager (6310)Fett nach Herstellerangabe14,85 g je LagerAlle 2 MonateFettpresse mit gezählten HübenSchmierer
HydraulikaggregatÖl ISO VG 46BehälterstandMonatliche AnalyseProbenahmeventilMechaniker
FörderketteKettenölDurchgehender FilmWöchentlichÖler oder PinselBediener

Die Tabelle ist ein Beispiel. Echte Mengen und Intervalle ergeben sich aus der Herstellerangabe, Temperatur, Drehzahl und Kritikalität der Anlage.

Fettmenge: Berechnung für Wälzlager

Zu viel Fett überhitzt ein Lager ebenso wie zu wenig. Eine verbreitete Faustformel für die Nachschmiermenge lautet:

G (g) = 0,005 × D × B

mit D = Außendurchmesser des Lagers (mm) und B = Gesamtbreite (mm). Die Herstellerangabe hat immer Vorrang vor der Faustformel.

Beispiel: Wälzlager 6310 mit D = 110 mm und B = 27 mm.

Mit dieser Zahl lassen sich auch Fettverbrauch und Lagerbestand im Materiallager planen.

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Verunreinigung: Feind Nummer eins des Schmierstoffs

Die meisten schmierstoffbedingten Schäden entstehen durch Verunreinigung, nicht durch die Qualität des Neuöls. Die vier häufigsten Verunreinigungen:

Die Kontrolle beginnt vor der Analyse: Entlüfter mit Filter und Trockenmittel, intakte Dichtungen, gekennzeichnete und geschlossene Gebinde, eigene Pumpen und Schläuche je Produkt sowie Filtration des Neuöls vor dem Befüllen.

So lesen Sie den Ölanalysebericht

Das Labor liefert einen Bericht mit mehreren Prüfungen. Die wichtigsten:

PrüfungAussageWarnsignal
Viskosität bei 40 °C (ASTM D445)Ob das Öl noch das richtige Produkt istAbweichung über etwa 10% von der ISO-VG-Klasse oder nach Herstellergrenze
Neutralisationszahl (TAN, ASTM D974)Oxidation und AdditivverbrauchStetiger Anstieg gegenüber dem Neuöl
Wasser (Karl Fischer, ASTM D6304)FeuchtigkeitseintragÜber dem Grenzwert der Anlage; 0,1% entsprechen 1.000 ppm
Partikelzählung (ISO 4406)Reinheit des ÖlsCode über dem Zielwert der Anlage
Verschleißmetalle (Eisen, Kupfer usw.)Welches Bauteil verschleißtSteigender Trend zwischen Proben

Viskosität, Beispiel: ISO VG 68 hat eine Nennviskosität von 68 cSt bei 40 °C mit einem Bereich von 61,2 bis 74,8 cSt (±10%). Eine Probe mit 82 cSt liegt bei (82 − 68) ÷ 68 = +20,6%: außerhalb des Bereichs, ein Hinweis auf Oxidation, Verlust leichter Fraktionen oder ein falsches Produkt. Bei 55 cSt wären es −19,1%, typisch für Verdünnung oder Scherabbau.

Reinheitsklasse nach ISO 4406: Der Code besteht aus drei Zahlen (Partikel größer 4, 6 und 14 µm je mL). Jede Codestufe bedeutet etwa die doppelte Partikelzahl. Ist das Ziel 17/15/12 und die Probe liefert 19/17/14, sind das zwei Stufen in jedem Größenbereich, also etwa 2 × 2 = 4-mal mehr Partikel als zulässig. Die Maßnahme: filtern, die Eintragsquelle finden und erneut beproben.

Probenahme ohne Verfälschung des Ergebnisses

  1. Probe bei laufender Maschine oder kurz nach dem Abstellen nehmen, solange das Öl warm und durchmischt ist.
  2. Immer dieselbe Stelle verwenden, am besten ein Probenahmeventil, im Strom und weg vom Behälterboden.
  3. Sauberes Probengefäß vom Labor und Einweg-Schlauch oder -Pumpe verwenden.
  4. Kennzeichnen mit Anlage, Stelle, Datum, Betriebsstunden, Ölsorte und Datum des letzten Wechsels.
  5. Zügig versenden und die Historie führen: Eine einzelne Probe sagt wenig, der Trend sagt viel.

Das Intervall richtet sich nach der Kritikalität: Kritische Anlagen (Pressenhydraulik, Getriebe einer einzigen Linie) verdienen monatliche oder betriebsstundenbasierte Proben, Nebenanlagen vierteljährliche. Gleichen Sie das Ergebnis mit der Schwingungsanalyse ab: steigender Eisengehalt im Öl und steigende Schwingung am selben Lager bestätigen die Diagnose. Die Daten können in ein CMMS mit Grenzwertalarm einfließen.

Häufige Fehler

Häufige Fragen

Wofür dient die Ölanalyse?

Sie bewertet Ölzustand, Verunreinigung und inneren Maschinenverschleiß, damit man vor dem Ausfall handeln kann.

Wie oft sollte Öl analysiert werden?

Das hängt von der Kritikalität ab: bei kritischen Anlagen monatlich oder nach Betriebsstunden, bei Nebenanlagen vierteljährlich. Nach dem Trend anpassen.

Wie viel Fett kommt in ein Wälzlager?

Faustformel: G = 0,005 × D × B in Gramm. Für ein 6310 (110 × 27 mm) sind es 14,85 g. Herstellerangabe immer prüfen.

Was bedeutet ISO VG 68?

Ein Öl mit Nennviskosität 68 cSt bei 40 °C und einem Bereich von 61,2 bis 74,8 cSt.

Was bedeutet der ISO-4406-Code 19/17/14?

Partikelniveaus größer 4, 6 und 14 µm je mL. Jede höhere Zahl bedeutet etwa die doppelte Partikelzahl.

Darf ich verschiedene Fette mischen?

Nur bei vom Hersteller bestätigter Verträglichkeit. Unverträgliche Verdicker können das Fett erweichen oder verhärten.

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Quellen

  1. ISO 3448. Industrial liquid lubricants — ISO viscosity classification (national umgesetzt als DIN 51519).
  2. ISO 4406. Hydraulic fluid power — Fluids — Method for coding the level of contamination by solid particles.
  3. ASTM D445, D974 und D6304: Prüfverfahren für kinematische Viskosität, Neutralisationszahl und Wassergehalt.
  4. MOBLEY, R. K. An Introduction to Predictive Maintenance. Butterworth-Heinemann, 2002.

Zum Weiterlernen: verlässliche Quellen und Links

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Foto von Vagner Soares

Über den Autor

Vagner Soares

Spezialist für Lean Manufacturing und Verhaltensmanagement

Über 20 Jahre in der Automobil- und Metallindustrie (GM und Dana), Praktiker für Lean Manufacturing seit 2006. SENAI-Dozent und Mentor im brasilianischen Programm Brasil Mais Produtivo, mit Beratung, Schulung und Audits für über 50 Unternehmen. Er verbindet Qualität, Produktivität und Personalentwicklung.