
- Was Schmierung und Ölanalyse in der Industrie bedeuten
- Visuelle Karte: Schmierplan und Ölanalyse
- Schmierplan: Was er enthalten muss
- Fettmenge: Berechnung für Wälzlager
- Verunreinigung: Feind Nummer eins des Schmierstoffs
- So lesen Sie den Ölanalysebericht
- Probenahme ohne Verfälschung des Ergebnisses
- Häufige Fehler
- Häufige Fragen
Was Schmierung und Ölanalyse in der Industrie bedeuten
Industrielle Schmierung heißt: der richtige Schmierstoff in der richtigen Menge an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt, um Reibung, Wärme und Verschleiß zu senken. Die Ölanalyse ist die regelmäßige Laboruntersuchung einer Schmierstoffprobe: Sie zeigt den Zustand des Öls, die Verunreinigung und den inneren Verschleiß der Maschine, ohne sie zu öffnen.
Beides bildet einen Regelkreis. Der Schmierplan legt fest, was wann aufgebracht wird; die Analyse prüft, ob der Plan wirkt, und warnt vor dem Ausfall. Sie ist der praktische Kern der vorbeugenden und zustandsorientierten Instandhaltung bei Getrieben, Hydrauliksystemen, Kompressoren und Lagern.
Visuelle Karte: Schmierplan und Ölanalyse
Die Karte fasst Schmierplan, Fettmengenberechnung, Verunreinigung und das Lesen von Viskosität und ISO-4406-Code zusammen.

Schmierplan: Was er enthalten muss
Ein Schmierplan ist eine Liste von Schmierstellen, und jede Stelle beantwortet sechs Fragen: welcher Schmierstoff, wie viel, wie oft, mit welcher Methode, wer führt aus und was ist bei Auffälligkeiten zu tun. Der Plan fließt als Aufgaben mit Termin und Verantwortlichem in den Wartungsplan ein und als Rundgang des Bedieners in die autonome Instandhaltung der TPM.
| Schmierstelle | Schmierstoff | Menge | Intervall | Methode | Verantwortlich |
|---|---|---|---|---|---|
| Getriebe Förderband | Mineralöl ISO VG 220 | Stand im Schauglas | Wöchentlich prüfen; Analyse alle 3 Monate | Stand und Leckage prüfen | Bediener / Schmierer |
| Motorlager (6310) | Fett nach Herstellerangabe | 14,85 g je Lager | Alle 2 Monate | Fettpresse mit gezählten Hüben | Schmierer |
| Hydraulikaggregat | Öl ISO VG 46 | Behälterstand | Monatliche Analyse | Probenahmeventil | Mechaniker |
| Förderkette | Kettenöl | Durchgehender Film | Wöchentlich | Öler oder Pinsel | Bediener |
Die Tabelle ist ein Beispiel. Echte Mengen und Intervalle ergeben sich aus der Herstellerangabe, Temperatur, Drehzahl und Kritikalität der Anlage.
Fettmenge: Berechnung für Wälzlager
Zu viel Fett überhitzt ein Lager ebenso wie zu wenig. Eine verbreitete Faustformel für die Nachschmiermenge lautet:
G (g) = 0,005 × D × B
mit D = Außendurchmesser des Lagers (mm) und B = Gesamtbreite (mm). Die Herstellerangabe hat immer Vorrang vor der Faustformel.
Beispiel: Wälzlager 6310 mit D = 110 mm und B = 27 mm.
- G = 0,005 × 110 × 27 = 14,85 g je Lager.
- Runde mit 20 gleichen Lagern: 20 × 14,85 = 297 g je Durchgang.
- Bei 6 Durchgängen pro Jahr (alle 2 Monate): 297 × 6 = 1.782 g, etwa 1,8 kg pro Jahr.
Mit dieser Zahl lassen sich auch Fettverbrauch und Lagerbestand im Materiallager planen.
Verunreinigung: Feind Nummer eins des Schmierstoffs
Die meisten schmierstoffbedingten Schäden entstehen durch Verunreinigung, nicht durch die Qualität des Neuöls. Die vier häufigsten Verunreinigungen:
- Feststoffpartikel: Staub, Sand und Späne. Sie zerkratzen Oberflächen und beschleunigen den abrasiven Verschleiß.
- Wasser: gelangt über Entlüfter, defekte Dichtungen und Kondensation ein. Es verringert den Schmierfilm, fördert Korrosion und oxidiert das Öl.
- Wärme: beschleunigt die Oxidation. Das Öl dunkelt nach, wird zäher und bildet Schlamm.
- Produktverwechslung: unverträgliches Öl oder Fett oder falsche Viskosität.
Die Kontrolle beginnt vor der Analyse: Entlüfter mit Filter und Trockenmittel, intakte Dichtungen, gekennzeichnete und geschlossene Gebinde, eigene Pumpen und Schläuche je Produkt sowie Filtration des Neuöls vor dem Befüllen.
So lesen Sie den Ölanalysebericht
Das Labor liefert einen Bericht mit mehreren Prüfungen. Die wichtigsten:
| Prüfung | Aussage | Warnsignal |
|---|---|---|
| Viskosität bei 40 °C (ASTM D445) | Ob das Öl noch das richtige Produkt ist | Abweichung über etwa 10% von der ISO-VG-Klasse oder nach Herstellergrenze |
| Neutralisationszahl (TAN, ASTM D974) | Oxidation und Additivverbrauch | Stetiger Anstieg gegenüber dem Neuöl |
| Wasser (Karl Fischer, ASTM D6304) | Feuchtigkeitseintrag | Über dem Grenzwert der Anlage; 0,1% entsprechen 1.000 ppm |
| Partikelzählung (ISO 4406) | Reinheit des Öls | Code über dem Zielwert der Anlage |
| Verschleißmetalle (Eisen, Kupfer usw.) | Welches Bauteil verschleißt | Steigender Trend zwischen Proben |
Viskosität, Beispiel: ISO VG 68 hat eine Nennviskosität von 68 cSt bei 40 °C mit einem Bereich von 61,2 bis 74,8 cSt (±10%). Eine Probe mit 82 cSt liegt bei (82 − 68) ÷ 68 = +20,6%: außerhalb des Bereichs, ein Hinweis auf Oxidation, Verlust leichter Fraktionen oder ein falsches Produkt. Bei 55 cSt wären es −19,1%, typisch für Verdünnung oder Scherabbau.
Reinheitsklasse nach ISO 4406: Der Code besteht aus drei Zahlen (Partikel größer 4, 6 und 14 µm je mL). Jede Codestufe bedeutet etwa die doppelte Partikelzahl. Ist das Ziel 17/15/12 und die Probe liefert 19/17/14, sind das zwei Stufen in jedem Größenbereich, also etwa 2 × 2 = 4-mal mehr Partikel als zulässig. Die Maßnahme: filtern, die Eintragsquelle finden und erneut beproben.
Probenahme ohne Verfälschung des Ergebnisses
- Probe bei laufender Maschine oder kurz nach dem Abstellen nehmen, solange das Öl warm und durchmischt ist.
- Immer dieselbe Stelle verwenden, am besten ein Probenahmeventil, im Strom und weg vom Behälterboden.
- Sauberes Probengefäß vom Labor und Einweg-Schlauch oder -Pumpe verwenden.
- Kennzeichnen mit Anlage, Stelle, Datum, Betriebsstunden, Ölsorte und Datum des letzten Wechsels.
- Zügig versenden und die Historie führen: Eine einzelne Probe sagt wenig, der Trend sagt viel.
Das Intervall richtet sich nach der Kritikalität: Kritische Anlagen (Pressenhydraulik, Getriebe einer einzigen Linie) verdienen monatliche oder betriebsstundenbasierte Proben, Nebenanlagen vierteljährliche. Gleichen Sie das Ergebnis mit der Schwingungsanalyse ab: steigender Eisengehalt im Öl und steigende Schwingung am selben Lager bestätigen die Diagnose. Die Daten können in ein CMMS mit Grenzwertalarm einfließen.
Häufige Fehler
- Schmieren, "bis es herauskommt": Zu viel Fett erzeugt Wärme und Leckage.
- Ölwechsel nach Kalender ohne Blick auf den Zustand oder gar kein Wechsel.
- Produkte verschiedener Lieferanten oder Basisöle mischen, ohne die Verträglichkeit zu prüfen.
- Probe vom Behälterboden oder mit verschmutzter Pumpe nehmen.
- Nur den letzten Bericht ansehen, nicht den Trend.
- Das Symptom behandeln (Ölwechsel), ohne die Quelle von Wasser oder Staub zu beseitigen. Bei wiederkehrenden Ausfällen helfen die 5-Why-Fragen.
Häufige Fragen
Wofür dient die Ölanalyse?
Sie bewertet Ölzustand, Verunreinigung und inneren Maschinenverschleiß, damit man vor dem Ausfall handeln kann.
Wie oft sollte Öl analysiert werden?
Das hängt von der Kritikalität ab: bei kritischen Anlagen monatlich oder nach Betriebsstunden, bei Nebenanlagen vierteljährlich. Nach dem Trend anpassen.
Wie viel Fett kommt in ein Wälzlager?
Faustformel: G = 0,005 × D × B in Gramm. Für ein 6310 (110 × 27 mm) sind es 14,85 g. Herstellerangabe immer prüfen.
Was bedeutet ISO VG 68?
Ein Öl mit Nennviskosität 68 cSt bei 40 °C und einem Bereich von 61,2 bis 74,8 cSt.
Was bedeutet der ISO-4406-Code 19/17/14?
Partikelniveaus größer 4, 6 und 14 µm je mL. Jede höhere Zahl bedeutet etwa die doppelte Partikelzahl.
Darf ich verschiedene Fette mischen?
Nur bei vom Hersteller bestätigter Verträglichkeit. Unverträgliche Verdicker können das Fett erweichen oder verhärten.
Quellen
- ISO 3448. Industrial liquid lubricants — ISO viscosity classification (national umgesetzt als DIN 51519).
- ISO 4406. Hydraulic fluid power — Fluids — Method for coding the level of contamination by solid particles.
- ASTM D445, D974 und D6304: Prüfverfahren für kinematische Viskosität, Neutralisationszahl und Wassergehalt.
- MOBLEY, R. K. An Introduction to Predictive Maintenance. Butterworth-Heinemann, 2002.
Zum Weiterlernen: verlässliche Quellen und Links
- ABRAMAN: Associação Brasileira de Manutenção e Gestão de Ativos (auf Portugiesisch)
- SMRP: Society for Maintenance & Reliability Professionals (auf Englisch)
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